
Am 1. Juni 1932 fand die Kreissynode des Kirchenkreises Delmenhorst in Hude statt. Der obige Ausschnitt aus dem Bericht der Huder Zeitung berichtet davon, dass Pastor Friedrich Bultmann aus Ganderkesee (tätig 1910-1947) offen gegen die NSDAP Stellung bezog und sie sogar als Satan in Engelsgestalt bezeichnete.
Die Hintergründe für dieses Ereignis waren folgende: Am 28. Mai 1932 war die NSDAP mit 46,9% in den Oldenburger Landtag gewählt worden und hielt mit ihrem kleineren Partner DNVP (29%) Dreiviertel der Mandate. In der Folge wurde der bisherige Gauleiter Carl Röver zum ersten nationalsozialistischen Ministerpräsidenten gewählt. Im Vorfeld dieser Wahl war aus NSDAPKreisen die Drohung laut geworden, nach der Machtergreifung würden 10.000 Köpfe rollen. Gerade dies veranlasste Friedrich Bultmann, auf das fünfte Gebot hinzuweisen: Du sollst nicht töten.
Waren die meisten evangelischen Pastoren während der Weimarer Republik national gesinnt, hatte sich Pastor Bultmann schon mehrfach gegen die neue Bewegung sehr kritisch geäußert.
Nach der Machtergreifung am 30.1.1933 durch Adolf Hitler war er wegen seiner Gegnerschaft und seiner Mitgliedschaft in der SPD schweren Repressalien ausgesetzt. So wurde er am 1. Oktober 1933 in den Wartestand versetzt. Das Pfarrhaus (heutiges Rathaus) wurde handstreichartig (Meiners, S.84) von der neuen NSGemeindespitze in Besitz genommen und schließlich wurde Bultmann auch zu einer sechswöchigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Zeitungsausschnitt stammt aus der Pastorenchronik des damaligen Huder Pastors Claas Hinrichs (tätig 1925-1961), der später Schriftführer der Bekennenden Kirche war und nach dem Krieg sogar Kreispfarrer des Kirchenkreises Delmenhorst.
R. Backenköhler