Diesen Satz sagt der Prophet seinem Volk, das in der Gefangenschaft versklavt ist. Und warum die Menschen in der Zerstreuung (wie es die Bibel auch nennt) ausharren müssen, deutet der Prophet so: Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Nein, das kann ich so nicht unterschreiben. Jedenfalls kann ich nicht für jedes Unglück Gottes Zorn verantwortlich machen. Der Verkehrsunfall, der Tod eines Kindes, das soll die Strafe Gottes sein? Die Ursachen von Erdbeben, Naturkatastrophen oder Kriegen, bei denen unschuldige Menschen sterben, soll der Zorn Gottes sein? Nein, das entspricht nicht meinem Glauben, aber das glaube ich gewiss: Auch das, was ich nicht begreife und in meinem Leben auch nie begreifen werde, führt Gott einem guten Ziel entgegen. Ist das nun wieder die oft gescholtene Vertröstung auf die Ewigkeit? "Die christliche Religion ist zu sehr am Jenseits orientiert. Es geht aber darum, das Leben hier

 

nur staunen über diese überwältigende und doch weise geordnete Vielfalt von Pflanzen und Tieren, von Wasser, Boden, Luft und unterschiedlichsten Landschaftsformen.

Wir sind von Gott geschaffen als die Haushalter dieser Schöpfung, sind sozusagen von ihm berufene Gärtner und Hausmeister in unserem Lebensraum.

Erntedank, das kann auch heißen, dass wir gedanklich unseren winzigen Ort in Gottes Schöpfung wieder neu sehen lernen. Dann begreifen wir, dass wir selbst nur ein kleines Mosaiksteinchen sind in einem Kosmos, der alles Begreifen übersteigt. Und dann empfinden wir Dankbarkeit Gott gegenüber, Dank dafür, wie liebevoll er sich uns zuwendet.

Solcher Dank kann in uns wachsen, wo wir staunen können und Ehrfurcht empfinden für Gottes wunderbare Schöpfung, die auch uns Menschen kleidet und heilt und schützt und nährt.

Ich wünsche Ihnen etwas von dieser Dankbarkeit und diesem Staunen, und dass es Ihr Gottvertrauen stärkt.

Ihr

U. Dreyer, Pfr.

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