Es ist wieder die Zeit der Grillabende. Wenn man mit Unbekannten ins Gespräch kommt, ergibt sich leicht die Frage: Was machen Sie denn so beruflich?
Früher hatte ich da ganz schlechte Karten, denn ab dem Zeitpunkt, wo ich mich als Hausfrau und Mutter geoutet hatte, ließ das Interesse an einem weiteren Gespräch deutlich nach. Da half es auch nicht, wenn ich dann noch halbherzig und ich bin im Elternbeirat, versorge den Gemüsegarten und backe unser Brot selber, nachschob.
Seit
ein paar Jahren sieht es für mich viel besser aus das dachte
ich zumindest am Anfang. Wenn ich erzähle, dass ich Krankenschwester
bin, ernte ich auch heute manchmal Blicke, die ich nur als mitleidig bezeichnen
kann.
Ja, wenn ich als OP Schwester täglich Leben retten würde wie die coolen Mädels von Emergency Room, dann wäre das etwas Anderes, aber wenn ich sage, dass ich für eine Diakonie - Sozialstation im Landkreis Oldenburg tätig bin, dann werde ich doch oft gefragt, warum ich mir gerade so einen problematischen Beruf ausgesucht habe.
Viele Leute sind ja ganz gut informiert. Die Sache mit der Kostendämpfung im Gesundheitswesen hat sich herumgesprochen, und auch dass Zeit und Geld immer knapper werden. Worüber sich kaum einer Gedanken gemacht hat ist, wie wichtig es eben für ei sundheitswesen ist, dass Menschen nach einer Operation oder Erkrankung so schnell wie möglich wieder in ihrer eigenen häuslichen Umgebung versorgt und gepflegt werden können.
Dazu gehört dann in der Tat eine ganze Menge. Wenn Sie selber krank wären, wollten Sie vermutlich nicht nur einen alten Verband durch einen frischen ersetzt haben, sondern Sie würden auch gerne wissen, warum ihr Arzt gerade diese Verbandstechnik angeordnet hat und nicht eine andere und was Sie selber dazu beitragen können, die Wundheilung zu beschleunigen.
Wenn Sie Angehörige pflegen, würden Sie gerne gezeigt bekommen, wie man die gefürchteten Druckgeschwüre verhindern kann und wenn Ihr Leben oder das eines Ihnen nahe stehenden Menschen sich dem Ende zuneigt, möchten Sie mit Ihren Fragen und Ängsten bestimmt nicht allein gelassen werden.
Die Krankenschwestern und die Familienpflegerinnen der Diakonie-Sozialstation Hude können in diesen Fällen Hilfestellung geben, nicht nur weil sie gut ausgebildet sind und über viel Erfahrung verfügen, sondern auch weil sie eng mit den niedergelassenen Ärzten, den umliegenden Krankenhäusern, den Pfarrern, dem Hospizverein Hude und einer Vielzahl anderer Organisationen zusammenarbeiten.
Zugegeben soweit komme ich an einem Grillabend oft gar nicht, wenn mein Gegenüber noch nie erlebt hat, dass ein Mensch älter, kränker oder hilfsbedürftiger werden kann. Aber vielleicht ist das bei Ihnen ja anders danke, dass Sie mir so lange zugehört haben.
Karin Pfaff