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Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Diesen Satz sagt der Prophet seinem Volk, das in der Gefangenschaft versklavt ist. Und warum die Menschen in der Zerstreuung (wie es die Bibel auch nennt) ausharren müssen, deutet der Prophet so: Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Nein, das kann ich so nicht unterschreiben. Jedenfalls kann ich nicht für jedes Unglück Gottes Zorn verantwortlich machen. Der Verkehrsunfall, der Tod eines Kindes, das soll die Strafe Gottes sein? Die Ursachen von Erdbeben, Naturkatastrophen oder Kriegen, bei denen unschuldige Menschen sterben, soll der Zorn Gottes sein? Nein, das entspricht nicht meinem Glauben, aber das glaube ich gewiss: Auch das, was ich nicht begreife und in meinem Leben auch nie begreifen werde, führt Gott einem guten Ziel entgegen. Ist das nun wieder die oft gescholtene Vertröstung auf die Ewigkeit? "Die christliche Religion ist zu sehr am Jenseits orientiert. Es geht aber darum, das Leben hier
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erträglich zu gestalten", so in etwa lauteten die Sätze, die ich vor ein paar Tagen im Radio gehört habe. Dazu möchte ich ihnen von K. erzählen, der vor ein paar Wochen erfuhr, dass er unheilbar krank ist. Für ihn hat der "kleine Augenblick" eine ganz andere Bedeutung: Wie viel Tage, Wochen, Monate habe ich noch? Oder sind es vielleicht sogar ein paar Jahre, die mir bleiben, in denen ich einigermaßen schmerzfrei leben kann? Sein Leben hat sich verändert: Weg von der Zerstreuung und hin zu dem, was wirklich wichtig ist. Dazu gehört für ihn auch, das Ziel, die Barmherzigkeit Gottes vor Augen zu haben. Die Zugewandtheit Gottes schon jetzt zu erfahren, sich trotz Krankheit geborgen wissen, das gibt K. die Energie, nicht an seiner Krankheit zu verzweifeln, sondern sie anzunehmen, wohl wissend, dass das Tal der Tränen enden wird in einem Garten, in dem die Sonne nicht untergehen wird. Eine gesegnete Adventszeit Ihr A. Tegtmeyer |